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Alte Historische Fotos und Bilder Brugg, Kanton Aargau

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Wappen Brugg

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Geschichte von Brugg, Kanton Aargauin Fotos

Eine kleine historische Referenz

Geographie: Brugg ist eine Kleinstadt und Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau sowie Hauptort des Bezirks Brugg. Die Stadt liegt am Jurasüdfuss und beim Wasserschloss der Schweiz, dem Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat. Sie ist 16 Kilometer von Aarau, 27 Kilometer von Zürich und 45 Kilometer von Basel entfernt (jeweils Luftlinie).

Der Ortsname entspricht dem schweizerdeutschen Wort für «Brücke». Es handelt sich dabei um einen sekundären Siedlungsnamen, der sich auf den dort befindlichen, an der Strasse von Zürich nach Basel liegenden mittelalterlichen Aareübergang bezieht.

Im Dorf Altenburg, das seit 1901 zu Brugg gehört, befand sich der älteste nachweisbare Herrschaftssitz der Grafen von Habsburg, und bis zur Verlagerung des habsburgischen Machtzentrums nach Österreich war Brugg das städtische Zentrum des habsburgischen Kernlandes. Von 1415 bis 1798 war Brugg eine Berner Untertanenstadt. Seit 1798 gehört sie zum Kanton Aargau. Heute sind in Brugg der Sitz des Schweizer Bauernverbandes sowie ein Standort der Fachhochschule Nordwestschweiz und ein Waffenplatz der Schweizer Armee (Genietruppen).

Gründungsdatum:

Einwohner: 10 889

Geschichte:

Sehenswürdigkeiten:

Brugg. Bahnhofplatz
Bahnhofplatz
Brugg. Bei der Linde
Bei der Linde
Brugg. Hauptstraße
Hauptstraße
Brugg. Kaserne mit Park
Kaserne mit Park
Brugg. Panorama der Stadt, 1939
Panorama der Stadt, 1939
Brugg. Panorama der Stadt, 1955
Panorama der Stadt, 1955
Brugg. Panorama der Stadt
Panorama der Stadt
Brugg. Schwarzer Turm
Schwarzer Turm

Geschichte

Vor der Stadtgründung

Funde aus prähistorischer Zeit sind spärlich: Zwei Klingen und Bruchstücke eines Steinbeils aus der Jungsteinzeit sowie eine Sichel aus der Bronzezeit. Im Jahr 58 v. Chr. (oder kurz danach) gründeten die Helvetier, die nach der Schlacht bei Bibracte ins Mittelland zurückgekehrt waren, auf dem Hügelsporn zwischen Aare und Reuss die Siedlung Vindonissa, auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Windisch.

Die Römer errichteten um 15 v. Chr. eine Militärstation, die sie ab 14. n. Chr. zu einem Legionslager ausbauten. Zu jener Zeit entstand die erste Holzbrücke über die Aare, über diese führte die Römerstrasse nach Augusta Raurica (Augst). Es war die einzige Stelle zwischen dem Thunersee und der Mündung in den Rhein, an der die Aare mit einer einzigen Baumstammlänge überbrückt werden konnte. Auf Brugger Boden befanden sich zwei grosse Gräberfelder. Bisher wurden rund 350 römische Gräber aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. entdeckt. Archäologen schätzen die Gesamtzahl auf rund 7000.

Nach dem Einfall der Alamannen (259 bis 270) wurde Vindonissa nach einer fast 170-jährigen Dauer der zivilen Siedlung wieder zu einem Legionslager umfunktioniert. Im heutigen Stadtteil Altenburg entstand um 370 ein Kastell als Stützpunkt im Hinterland des Donau-Iller-Rhein-Limes. Zwischen 401 und 406 zogen sich die Römer endgültig aus dem Rheingebiet zurück. Die Ansiedlung von Alemannen im aargauischen Gebiet ist ab dem 7. Jahrhundert nachweisbar.

Im späten 10. Jahrhundert liess sich in Altenburg ein Adelsgeschlecht nieder, das möglicherweise von den elsässischen Etichonen abstammte. Graf Lanzelin liess das Kastell zur Altenburg ausbauen. Um 1020 ordnete dessen Sohn Radbot den Bau der Habsburg auf dem drei Kilometer südwestlich gelegenen Wülpelsberg an. Einige Jahrzehnte später benannte sich das Geschlecht nach dieser Burg. Somit war Altenburg die erste nachweisbare Residenz der Habsburger. Mit dem Erwerb des Eigenamts zwischen Aare und Reuss legten sie den Grundstein zu ihrem Territorium.

Herrschaftszentrum der Habsburger

Die früheste urkundliche Erwähnung von Bruggo erfolgte im Jahr 1064, als Graf Werner I. dem Kloster Muri den Besitz von Gütern in der Umgebung bestätigte. Die genaue Jahreszahl ist umstritten, weil die Acta Murensia erst um 1160 angefertigt wurde und verschiedene ältere Dokumente zusammenfasste. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze) brucco und bedeutet «bei der Brücke(nstelle)». Ende des 12. Jahrhunderts entstand auf Befehl Graf Albrechts III. der Schwarze Turm, das älteste erhalten gebliebene Gebäude der Altstadt.

Im 13. Jahrhundert nahm die befestigte Brückensiedlung immer mehr kleinstädtische Züge an. Ab 1232 wurden Münzen geprägt, 1273 war erstmals von einer Zollstelle die Rede, spätestens ab 1278 gab es einen Schultheiss und 1283 wurde erstmals der Markt erwähnt. Wie wichtig Brugg damals für die Habsburger war, zeigt die Tatsache, dass diese um 1220/30 aus der mittlerweile zu klein gewordenen Habsburg auszogen und danach in Brugg lebten. 1242 soll die Stadt durch Anhänger der Seitenlinie Habsburg-Laufenburg geplündert worden sein.

Rudolf I., der vor seiner Wahl zum römisch-deutschen König oft in Brugg geweilt hatte, verlieh dem Ort am 23. Juni 1284 das Stadtrecht. Gleichzeitig löste er Brugg aus dem Eigenamt heraus. Das Brugger Stadtrecht entsprach Wort für Wort demjenigen von Aarau. Zwar hatte sich das Machtzentrum der Habsburger wenige Jahre zuvor nach Wien verlagert, doch blieb die Beziehung zu Brugg weiterhin eng. Das «Österreich-Haus» (später «Effingerhof») diente als Absteige und Hauptquartier bei militärischen Auseinandersetzungen in den österreichischen Vorlanden.

Am 1. Mai 1308 wurde König Albrecht I. beim Nachbardorf Windisch ermordet. Zum Gedenken an dieses Ereignis stiftete seine Gattin Elisabeth von Görz-Tirol das Kloster Königsfelden (200 Meter von der Stadtgrenze entfernt). Albrechts älteste Tochter Agnes von Ungarn, die Witwe des ungarischen Königs Andreas III., lebte dort ab 1317 und führte das Kloster zur wirtschaftlichen Blüte. 1348 erhielt sie von ihrem Bruder Albrecht II. die herrschaftlichen Rechte über die Stadt Brugg sowie über die benachbarten Ämter Bözberg (mit Lauffohr) und Eigenamt (mit Altenburg). Die Rechte fielen 1364 nach ihrem Tod an die Herzöge von Habsburg-Österreich zurück.

Obwohl die Stadt fest in der Hand der Habsburger war, gab es doch Ansätze einer eigenständigen Politik. So schloss Brugg Burgrechtsverträge mit Baden und Mellingen (beide 1351) sowie mit dem Kloster Wittichen im Kinzigtal (1353) ab. Die Ämter Bözberg und Eigenamt kamen 1364 unter die militärische Führung der Stadt. Mehrmals versammelten die österreichischen Heerführer in Brugg ihre Streitkräfte, beispielsweise 1386 Herzog Leopold III. vor der Schlacht bei Sempach.

15. Jahrhundert

Herzog Friedrich IV. fiel 1415 beim Konzil von Konstanz in Ungnade, nachdem er dem Gegenpapst Johannes XXIII. zur Flucht verholfen hatte. König Sigismund forderte die Eidgenossen daraufhin auf, den Aargau im Namen des Reiches zu erobern. Bern zögerte nicht lange und entsandte umgehend Truppen. Die Brugger liessen die Berner am 29. April 1415 kampflos in ihre Stadt einmarschieren. Als Gegenleistung blieben die überlieferten Rechte der Stadt unangetastet.

Die Stadt und das Eigenamt lagen nun im äussersten Nordosten des bernischen Untertanengebiets, dem Berner Aargau. Die Habsburger hatten nach der Schlacht bei Sempach die aus dem Amt Bözberg hervorgegangene Herrschaft Schenkenberg an Gefolgsleute verpfändet. Für Brugg ergab sich dadurch eine rechtlich komplizierte Situation, weil die Vorstadt und der Wald am Bruggerberg nördlich der Aare und somit ausserhalb der Zuständigkeit Berns lagen. Brugg musste sich somit stets mit den jeweiligen Besitzern der Herrschaft Schenkenberg arrangieren.

König Friedrich III. verbündete sich 1443 im Alten Zürichkrieg mit Zürich und forderte die Rückgabe des Aargaus. Die Brugger erhofften sich von der Rückkehr der österreichischen Herrscher einen Aufschwung, denn seit der Eroberung durch Bern hatte die wirtschaftliche Dynamik wegen der Grenzlage stark nachgelassen. Als Zürich im Juni 1444 von den Truppen der übrigen Eidgenossen belagert wurde, entsandte der französische König Karl VII. die Armagnaken. Um ihnen den Weg nach Zürich zu erleichtern, wurde Brugg in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli 1444 überfallen. Ein durch Freiherr Thomas von Falkenstein angeführter kleiner Trupp schlich sich vom Bruggerberg heran, drang durch eine List in die Stadt ein, plünderte sämtliche Häuser und steckte einige davon in Brand. Zahlreiche Stadtbürger wurden verschleppt und später gegen Lösegeld freigelassen.

Dieses Ereignis hatte zwar nur wenige Todesopfer gefordert, wurde aber von den Gegnern Zürichs zu einem regelrechten Massaker hochstilisiert und als «Brugger Mordnacht» bezeichnet. Als Vergeltung zerstörten Berner und Solothurner wenige Wochen später die Falkensteiner Burg bei Niedergösgen. Die Armagnaken wurden in der Schlacht bei St. Jakob an der Birs aufgehalten. Der Überfall auf Brugg erwies sich somit nachträglich als strategisch völlig nutzlos. Am 5. September 1445 planten Zürcher Truppen erneut einen Überfall auf die Stadt; sie konnten aber frühzeitig entdeckt und abgewehrt werden, woraufhin sie die umliegenden Dörfer brandschatzten.

1451 verkaufte Thüring von Aarburg die Herrschaft Schenkenberg an Hans und Markwart von Baldegg. Zwischen Brugg und den Baldeggern kam es immer öfter zu Streitigkeiten über Nutzungsrechte am Bruggerberg. Die Baldegger, die sich demonstrativ mit Österreich verbündet hatten, betrachteten das Gebiet nördlich der Aare als ihr persönliches Eigentum und störten sich an den Rechten der Stadt. Bern hatte schliesslich genug von den ständigen Schikanen gegenüber ihrer Untertanenstadt und eroberte 1460 die Herrschaft Schenkenberg. Nun waren auch die Bewohner der Dörfer nördlich von Brugg Berner Untertanen geworden. An der Randlage änderte dies jedoch wenig, denn die Grenze war lediglich um ein paar Kilometer nach Norden verschoben worden. Die kriegerischen Konflikte beeinträchtigten die Wirtschaftskraft der Stadt nachhaltig. In den achtzig Jahren nach der «Brugger Mordnacht» nahm die Bevölkerungszahl um fast die Hälfte ab, auch konnten umliegende Städte das Einzugsgebiet ihrer Märkte auf Kosten Bruggs erweitern.

Im Gebiet von Bern

Innerhalb des Staates Bern nahm Brugg als «Munizipalstadt» eine Sonderstellung ein. Brugg war keiner Landvogtei zugeordnet und genoss eine grosse Autonomie. An der Spitze der Stadt standen zwei Schultheisse, die alternierend alle zwei Jahre den Vorsitz übernahmen. Zusammen mit sieben weiteren Personen bildeten sie den «Kleinen Rat», der die verschiedenen Verwaltungsaufgaben übernahm. Darunter stand der «Grosse Rat» mit zwölf Mitgliedern, der eine Kontrollfunktion ausübte. Alle Räte stammten aus den Reihen der 32-köpfigen «Kleinglocke». Deren Mitglieder wurden aber alle vom Kleinen Rat selbst ernannt, sodass nicht genehme Kandidaten keine Chance hatten, höhere politische Ämter zu erhalten, es sei denn durch Bestechung. Wenige einflussreiche Familien teilten die einträglichen Posten unter sich auf. Die entmachtete Bürgerschaft besass lediglich das Recht, den Pfarrer zu wählen. Das «Maiding», die Bürgerversammlung, hatte rein symbolischen Charakter.

Im Januar 1528 beschloss Bern die Einführung der Reformation. In allen Städten und Landvogteien fanden Abstimmungen zur Wahl der Konfession statt. Während die benachbarten Landvogteien für die Reformation stimmten, gab es am 1. März in Brugg eine Mehrheit von fünf Stimmen für den Verbleib beim Katholizismus. Doch Brugg war in dieser Frage isoliert und musste sich wenige Tage später dem massiven politischen Druck aus Bern beugen.

Die mindestens seit 1396 bestehende städtische Schule wurde nach der Reformation in eine obrigkeitliche Lateinschule umgewandelt. Sie diente hauptsächlich zur Vorbereitung auf die theologische Akademie in Bern. Die Finanzierung erfolgte durch Einkünfte des aufgelösten Klosters Königsfelden. Die Lateinschule brachte überdurchschnittlich viele Pfarrer und Gelehrte hervor, weshalb Brugg den Beinamen «Prophetenstadt» erhielt.

Trotz des Untertanenstatus versuchte die Stadt immer wieder, den eigenen Einfluss auf umliegende Gebiete auszudehnen. Seit dem 13. Jahrhundert besass sie das Patronat über die Kirche in Mönthal. 1588 verkaufte Johann Georg von Hallwyl, späterer Bischof von Basel, zwei Drittel der Pfarreien Bözberg und Rein an die Stadt, ebenso einen Drittel der niederen Gerichtsbarkeit in Villnachern. Brugg erwarb 1616 ebenfalls von den Hallwylern die Herrschaft Trostburg im Wynental. Bern duldete den Machtzuwachs seiner Untertanenstadt jedoch nicht und zog die Herrschaftsrechte an sich.

Während einer Pestepidemie im Jahr 1541 starben rund 180 Personen, ein Viertel der Bevölkerung. Bis 1611 stieg die Bevölkerungszahl wieder auf einen Höchststand von 930, etwa gleich viel wie knapp zweihundert Jahre zuvor. Die letzte und auch folgenschwerste Pestepidemie dauerte von September 1667 bis Januar 1669, damals starben 514 Personen oder über 60 Prozent der Bevölkerung. Ein folgenschweres Unglück ereignete sich am 1. September 1626, als ein auf der Aare in Richtung Zurzach fahrendes Schiff kenterte. Dabei ertranken über 100 Menschen, 47 davon stammten aus Brugg. Erst um 1840 entsprach die Bevölkerungszahl wieder jener von 1611.

Von jeher war in der städtischen Wirtschaftsstruktur das Handwerk vorherrschend. Es war vor allem auf die Bedürfnisse der Bevölkerung der Umgebung ausgerichtet, mit dem zunehmenden Ausbau der Verkehrswege auch der Durchreisenden (insbesondere nach dem Neubau der Bözberg-Passstrasse zwischen 1773 und 1779). Zünfte mit politischem Einfluss gab es keine. Im 18. Jahrhundert erlangte der Handel mit Salz grosse Bedeutung. Das 1732 errichtete Salzhaus war eines der grössten Salzdepots der Eidgenossenschaft, neben dem Berner Aargau versorgte es auch die Grafschaft Baden und die Freien Ämter.

Revolutionsjahre

Die politischen Forderungen nach Gleichheit und Menschenrechten nach dem Beginn der Französischen Revolution fanden in Brugg grossen Anklang. Doch die Obrigkeit fürchtete um den Verlust ihres Einflusses und verbot öffentliche Diskussionen dazu. Deshalb trafen sich die interessierten Bürger seit 1796 in einem Club mit dem Decknamen "Billard-Club". In diesem wurden die Ideen der französischen Revolution besprochen und die Übertragung auf Brugg diskutiert.

Als die französischen Truppen zu Beginn des Jahres 1798 immer weiter vorrückten und das Ende der Berner Herrschaft absehbar war, übernahm ein Revolutionskomitee die Macht in Brugg. Nachdem die von General Guillaume-Marie-Anne Brune geführten französischen Truppen am 5. März in Bern einmarschiert waren, konstituierten die Delegierten der grossen Kantone am 12. April in Aarau die Helvetische Republik.

19. Jahrhundert

Im helvetischen Zentralstaat waren die Kantone reine Verwaltungseinheiten, die weiter in Distrikte und Munizipalitäten unterteilt waren. Brugg verlor sämtliche Vorrechte und war nun Distrikthauptort im Kanton Aargau. Die revolutionäre Stimmung verflog rasch. Dazu trug vor allem der Zweite Koalitionskrieg im Jahr 1799 bei, als die Front durch das Aaretal verlief und Hunderte von französischen Soldaten in den Häusern der Stadt einquartiert wurden. Als sich die Franzosen 1802 für einige Monate aus der Schweiz zurückzogen, hatten die Anhänger der alten Ordnung die Oberhand. Während des Stecklikriegs plünderten Bauern aus der Umgebung das Zeughaus. Mit der am 19. März 1803 von Napoleon Bonaparte unterzeichneten Mediationsakte wurde Brugg endgültig zum Bezirkshauptort im Kanton Aargau.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wandelte sich Brugg zu einer Hochburg des Liberalismus. Brugger Politiker spielten beim Aufbau des neuen Kantons eine führende Rolle. Als äusseres Zeichen der Aufbruchstimmung füllte man 1811 den Stadtgraben auf und riss zwischen 1829 und 1840 fast alle Befestigungsanlagen nieder. Das starke Gefälle der Hauptstrasse, der wichtigsten Strasse durch die Altstadt, behinderte die Fuhrwerke und wurde 1836 unter der Leitung des später weltbekannten Ingenieurs Alois Negrelli von Moldelbe ausgeglichen. 1823 schloss Brugg mit Lauffohr einen Vertrag ab: Für 1669 Franken verkaufte die Nachbargemeinde rund einen Viertel ihres Gebietes. 1827 erwarb die Stadt von Umiken das Gelände bei der Brunnenmühle nahe der Vorstadt und verzichtete dafür auf Rechte an Holz und Feldern im «Umiker Schachen».

Die anfänglich positive Grundstimmung gegenüber den Herausforderungen der Moderne wich einer bewahrenden Mentalität und die Brugger konzentrierten sich auf ihre vermeintlichen Stärken Handwerk, Gewerbe und Handel. Für die Ansiedlung von Industrie fehlte der politische Wille. Auch hegte das Brugger Bürgertum Vorurteile gegenüber Fabrikarbeitern. Von diesem Zögern profitierten Nachbardörfer wie Windisch und Turgi, wo grosse Textilfabriken entstanden.

Die Schweizerische Nordostbahn verlängerte am 29. September 1856 die Bahnstrecke Zürich–Baden, die erste Eisenbahn der Schweiz, bis nach Brugg. Die Kantonshauptstadt Aarau wurde am 15. Mai 1858 erreicht. Wirtschaftlich brachte die Eisenbahn zunächst vor allem Nachteile, weil das Fuhrhaltereigewerbe, das vom Transitverkehr über den Bözbergpass lebte, weitgehend zusammenbrach. Die Brugger beklagten sich auch, der Bahnhof läge mit zehn Gehminuten zu weit entfernt, wodurch die Stadt zusätzlichen Schaden erleide. Die Windischer hingegen beschwerten sich, dass der Bahnhof «Brugg» hiess, obwohl er auf ihrem Gemeindegebiet lag.

Ursache dieses Streits war der komplizierte Grenzverlauf zwischen beiden Gemeinden. Zur Stadt gehörte lediglich das «Burgerziel», ein schmaler Landstreifen rund um die ehemalige Stadtmauer. Südlich davon lag die «Ehfäde», ein landwirtschaftlich genutzter Sonderbezirk, der gänzlich in Privatbesitz von Brugger Bürgern war. Obwohl sämtliche Besitzerwechsel durch Brugg genehmigt werden mussten, gehörte das Gebiet steuerrechtlich und politisch zu Windisch. Immer wieder hatte die Stadt vergeblich versucht, sich die Ehfäde anzueignen. 1856 befand die Kantonsregierung, das Bestehen zweier unterschiedlicher Gemeindegrenzen sei nicht mehr zeitgemäss und schlug die Ehfäde Windisch zu. Doch die Nachbargemeinde steckte in finanziellen Nöten und verkaufte 1863 dieses Gebiet, auf dem inzwischen der Bahnhof errichtet worden war, für 25'000 Franken an Brugg.

Durch den Bau zweier weiterer Strecken wurde Brugg ein Eisenbahnknotenpunkt: Die Bözbergbahn nach Basel wurde am 2. August 1875 eröffnet, die Aargauische Südbahn nahm am 1. Juni 1882 die Strecke nach Hendschiken in Betrieb. Zwar waren jetzt ausgezeichnete Verkehrsverbindungen und genügend Bauland vorhanden, doch noch immer entwickelte sich die Industrie nur zögerlich. 1864 entstand eine Druckerei, für deren Bau aber der «Effingerhof» weichen musste, die ehemalige Stadtresidenz der Habsburger. Ein weiteres markantes Gebäude, die Hallwylerfestung, wurde 1883 abgerissen und durch ein Schulhaus ersetzt. 1882 entstand die neue Wasserversorgung, 1892 das gemeindeeigene Kraftwerk Brugg, ab 1896 die Kanalisation, 1911 das Gaswerk.

Die militärische Tradition der Stadt wurde 1848 begründet. Die hier stationierten Pontoniertruppen exerzierten in der Altstadt und waren zunächst in Privathäusern untergebracht. Nach zahlreichen Beschwerden beschloss die Kantonsregierung 1856 den Umbau des ehemaligen Kornhauses in eine Kaserne. Zwischen 1876 und 1878 entstand beim «Geissenschachen» ein Truppenübungsplatz und 1898 ein neuer Kasernenkomplex. Brugg wurde dadurch zum Zentrum der Schweizer Genietruppen.

20. Jahrhundert

Der Durchbruch in der industriellen Entwicklung gelang erst 1892 mit der Inbetriebnahme des städtischen Elektrizitätswerks an der Aare, das bis zum Jahr 1952 in Betrieb war. In rascher Folge siedelten sich zahlreiche Industriebetriebe an und Brugg erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Schon bald aber spürte die Stadt erneut die Nachteile der engen Grenzen des Stadtareals. Zwischen 1898 und 1901 wurden im Kanton Aargau zwölf kleine Gemeinden gegen ihren Willen zusammengeschlossen, da sie wirtschaftlich nicht überlebensfähig schienen und die gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben nicht erfüllen konnten. Von dieser Entwicklung war auch Altenburg betroffen. Obwohl sich die Gemeindeversammlung mit 42 zu 2 Stimmen dagegen aussprach, wurde die Eingemeindung in die Stadt Burgg am 1. Januar 1901 gemäss dem Beschluss des Grossen Rates des Kantons Aargau vollzogen. Brugg konnte dadurch seine Fläche auf das Doppelte erweitern.

Die Landwirtschaft hatte früher nie eine bedeutende Rolle gespielt, doch verschiedene Umstände führten um die Jahrhundertwende zum Aufstieg Bruggs zur «Bauernmetropole». Die «Landwirtschaftliche Winterschule», eine Aus- und Weiterbildungsstätte für Landwirte, wurde 1887 eröffnet und bezog 1901 einen Neubau an der Baslerstrasse. Dass Brugg im Jahr 1900 Sitz des Schweizer Bauernverbandes wurde, ist Zufall: Die Ehefrau von Verbandspräsident Ernst Laur stammte aus Brugg und wollte auf keinen Fall fortziehen, weshalb der Verband seinen Sitz von Bern hierhin verlegte. Das kleine Bauernsekretariat entwickelte sich zu einer der mächtigsten Interessenvertretungen der Schweiz. Seit dem Eisenbahnbau spielte auch der Viehhandel eine bedeutende Rolle, besonders mit Rindern. Die Markthalle entwickelte sich bis 1930 zu einem bedeutenden überregionalen Umschlagplatz; der Viehmarkt wurde aber 1997 geschlossen und nach Brunegg verlegt.

Die Katholiken, deren Anteil an der Bevölkerung durch den Zuzug von Fabrikarbeitern stark angestiegen war, erhielten 1907 (fast 400 Jahre nach der Reformation) wieder ein eigenes Gotteshaus. 1911 wurde das städtische Gaswerk in Betrieb genommen (Stilllegung 1967), dazu trat Windisch kostenlos ein Grundstück ab. Der wirtschaftliche Aufschwung endete während des Ersten Weltkriegs und viele Einwohner lebten unter dem Existenzminimum. Während des Landesstreiks im November 1918 wurde in sämtlichen Fabriken die Arbeit niedergelegt. Die Weltwirtschaftskrise hatte ebenfalls hohe Arbeitslosigkeit sowie die Schliessung einiger Betriebe zur Folge. Unter dem Eindruck der Machtergreifung der NSDAP in Deutschland kam es 1933 in Brugg zu mehreren Kundgebungen der Nationalen Front (und Gegenveranstaltungen) mit bis zu 3000 Teilnehmern. 1935 bis 1939 war eine NSDAP-Ortsgruppe aktiv, die Mitglieder waren allesamt deutsche Arbeiter.

Nachdem der Zweite Weltkrieg erneut Einschränkungen gebracht hatte, begann nach Kriegsende eine Phase der Hochkonjunktur, die drei Jahrzehnte andauern sollte. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung führte zur Planung überdimensionierter Bauvorhaben, die jedoch nicht realisiert wurden, wie zum Beispiel eine vierspurige Schnellstrasse und die totale städtebauliche Umgestaltung des Gebiets südlich der Altstadt. Ein grosser Binnenschifffahrtshafen mit zwei Hafenbecken im Aufeld wäre bei der lange Zeit ernsthaft geprüften Schiffbarmachung von Hochrhein und Aare (Transhelvetischer Kanal) gebaut worden.

Ein umstrittenes politisches Thema während der 1960er Jahre war die Eingemeindung von Lauffohr. Über zwei Drittel der Einwohner dieser Gemeinde lebten im rasch wachsenden Dorfteil Au. Dieser grenzte unmittelbar an Brugg und war damals vom alten Dorfkern durch eine weite unüberbaute Fläche deutlich getrennt. Die Bewohner der Au fühlten sich zu Brugg hingezogen und strebten deshalb eine Gemeindefusion an. Bei der Abstimmung im September 1962 waren 97 Stimmbürger für und 64 gegen die Fusion. Das Interesse von Brugg an der kleinen Landgemeinde hielt sich in Grenzen und 494 Jastimmen standen 409 Neinstimmen gegenüber. Dieses eher knappe Ergebnis und die damals sehr starke Gewichtung der Gemeindeautonomie bewogen den Grossen Rat dazu, das Ergebnis nicht anzuerkennen. Bei den Lauffohrer Gemeinderatswahlen im August 1965 gingen sämtliche Sitze an Fusionsbefürworter und das Thema blieb weiterhin aktuell. Bei einer zweiten Abstimmung über den Gemeindezusammenschluss im April 1969 lautete das Ergebnis in Brugg 1095 Ja zu 397 Nein, in Lauffohr 113 Ja zu 100 Nein. Inzwischen hatte der Grosse Rat seine Haltung gegenüber Gemeindefusionen geändert und bestätigte das Ergebnis. Die Fusion erfolgte schliesslich am 1. Januar 1970.

Die Ölpreiskrise von 1973 hatte einen wirtschaftlichen Strukturwandel hin zum Dienstleistungssektor zur Folge: Unternehmen wie die Georg Fischer AG verlegten die Produktion, andere wie die Traugott Simmen AG (in den 1950er und den 1960er Jahren die renommiertesten Möbelhersteller der Schweiz) gingen bankrott. Auch machte die Krise die meisten hochfliegenden Pläne zunichte. Verwirklicht wurden nur die Einkaufszentren Neumarkt I und Neumarkt II (1975 bzw. 1982) sowie die «Mittlere Umfahrung» (1980) mit der neuen Casinobrücke über die Aare, welche die Altstadt wirksam vom Durchgangsverkehr entlastete.

21. Jahrhundert

Die Entwicklung Bruggs zum bedeutenden Bildungsstandort begann Ende der 1950er Jahre. 1958 zog die «Landwirtschaftliche Winterschule» nach Gränichen um. An ihre Stelle trat die «Frauenschule», in der Handarbeits-, Hauswirtschafts- und Kindergartenlehrerinnen ausgebildet wurden. Daraus entwickelten sich das Lehrerseminar (1973) und schliesslich die Pädagogische Fachhochschule (2001). In Windisch entstand das kantonale Technikum. Beide Institutionen gingen am 1. Januar 2006 in der Fachhochschule Nordwestschweiz auf. 2013 konnte nach einer mehrjährigen Planungsphase der Campus Brugg-Windisch eröffnet werden. Mit den über 3000 Studierenden ist der einzige Standort der Fachhochschule Nordwestschweiz im Kanton Aargau das grösste Bildungszentrum zwischen Basel, Bern und Zürich. Gemeinsam mit der Gemeinde Windisch ist die Stadt Brugg Eigentümerin des Campussaals im Hauptgebäude. Mit bis zu 800 Plätzen ist er der grösste Saal im Bezirk Brugg.

Im Gesundheitsbereich konnte Brugg seinen Standortvorteil jedoch nicht ausspielen. Im September 2003 gab der Aargauer Regierungsrat bekannt, dass das 1913 eröffnete Bezirksspital aus Spargründen schliessen müsse. Daraufhin regte sich in der Region heftiger Widerstand, Höhepunkt war im Februar 2005 eine Demonstration mit über 6000 Teilnehmern (die mit Abstand grösste Protestkundgebung in der Geschichte Bruggs). Doch der Grosse Rat genehmigte am 8. März die Schliessung per Ende September 2005 und die Umwandlung in ein Pflegeheim, was den Verlust von 300 Arbeitsplätzen bedeutete. Damit ging eine lange Tradition zu Ende, die 1450 mit der Eröffnung des Heiliggeistspitals begonnen hatte. Das Pflegeheim wurde nicht realisiert, doch aus privater Initiative heraus entstand 2005 das Medizinische Zentrum Brugg, das in den Räumlichkeiten des ehemaligen Bezirksspitals ambulante medizinische Dienstleistungen erbringt.

Weil die Siedlungsgebiete von Brugg und Windisch vollständig zusammengewachsen sind und die beiden Gemeinden wegen des umfangreichen Projekts «Vision Mitte» ohnehin stets enger zusammenarbeiten, kam der Ruf nach einer Gemeindefusion auf. Beide Gemeindeparlamente stimmten im Mai 2006 deutlich einer Volksinitiative zu, welche die Aufnahme von Fusionsverhandlungen verlangt. Doch gegen diesen Entscheid kam ein Referendum zustande. Die Volksabstimmung fand am 24. September 2006 statt, die Initiative wurde mit einer Mehrheit von 63 % deutlich abgelehnt. Als Hauptgründe für die Ablehnung einer Gemeindefusion wurden die grossen Unterschiede bei der Steuerbelastung und die Schuldenlast der Gemeinde Windisch angeführt. Die Frage einer möglichen Fusion von Brugg mit Windisch ist derzeit nicht aktuell.

Diese Vorgänge hatten keine Einfluss auf die Eingliederung von Umiken in das Stadtgebiet. Eine vom Stadtrat im März 2007 präsentierte Studie führte positive Effekte einer allfälligen Gemeindefusion auf. Am 27. Juni 2008 stimmte der Einwohnerrat dem Vertrag zu, der die Fusion Umikens mit Brugg regelt. Dieser Entscheid wurde an der Abstimmung vom 28. September 2008 mit 1748 zu 224 Stimmen bestätigt (Ja-Anteil 88,6 %), in Umiken mit 330 zu 55 Stimmen (85,7 %). Der Zusammenschluss erfolgte am 1. Januar 2010.

Brugg ist eine Standortgemeinde des möglichen Atommüllagers Jura-Ost. Die Vorabklärungen und -sondierungen für ein Lager für Hochaktive Abfälle (HAA-Lager) in der Region Brugg laufen seit 1983. Das von der NAGRA Jura-Ost genannte Gebiet hat einen optimalen Lagerperimeter, der grösstenteils auf dem Gebiet der Gemeinde Bözberg liegt und den Gemeindebann von Brugg im Nordwesten berührt. Voraussichtlich 2018 wird vom Bundesrat entschieden, ob das Gebiet im Auswahlverfahren bleibt.

Am 4. März 2018 haben die Stimmberechtigten von Brugg und Schinznach-Bad der Fusion der beiden Gemeinden per 1. Januar 2020 zugestimmt. Das Zusammenschlussprojekt Brugg Schinznach war im Jahr 2015 offiziell eingeleitet worden, als die Gemeindeversammlung von Schinznach-Bad und der Einwohnerrat von Brugg die Projektkredite genehmigt hatten. Am 17. August 2015 konstituierte sich die Projektleitung, der je vier Vertreter der beiden Gemeinden und die Leiterin der Gemeindeabteilung des Kantons Aargau angehörten. Im Vergleich zum damals vorgesehenen Zeitplan fanden die Abstimmungen an den Urnen bereits ein halbes Jahr früher statt.

Quelle: de.wikipedia.org




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